Aus seminarwiki
In Zusammenarbeit mit dem Institut für Katholische Religion, Päd. Mit. Eva Abel, die die Hauptlast der Vorbereitung trug
Einmal im Jahr veranstalten die beiden Fachbereiche für Evangelische und Katholische Religionsdidaktik gemeinsam einen Fachtag für Lehrer. Nach einem Vortrag zu einem Thema: 2008-Psalmen-Hast du Worte? haben die TeilnehmerInnen die Gelegenheit mit dem/der Vortragenden zu diskutieren. Anschließend werden die Teilnehmer mit Materialien bekannt gemacht für den Unterricht. Als Lernplattform dient rpi-virtuell mit Seminarräumen und der Wiki-Technik.
Vorstellungsrunde
14 LehrerInnen und Pfarrer aus Schulen von Gießen, Lich, Altenstadt, Frickhofen, Solms, Alsfeld, Konradsdorf
2 Päd. Mitarbeiter Ev. und Kath. Theologie
Frau Dr. Schmidt
Vortrag Dr. Uta Schmidt: Psalmen - Hast du Worte?
1. Psalmen - Exegetisches und Besonderes
2. Zwei Ansätze aus der neueren Psalmenforschung
3. Psalmen im RU - Baldermann
zu 1: Jede Exegese beginnt mit einer persönlichen Begegnung zwischen Text und Leser. Daher Blatt mit Psalmen (Psalm 57, Lutherübersetzung 1984). Psalmen sind auf Hörtexte, die klingen müssen. Deswegen ist Vorlesen .
Fragen: (TeilnehmerInnen nehmen sich Zeit)
- Was spricht mich an?
- Was gefällt mir?
- Was stört mich?
- Was fällt mir auf?
kurze Rückmeldung: Im Psalm ist alles drin, Bitte, Lob, Klage, Dank; viele Zitate sind darin, Text klingt, kraftvolle und bilderreiche Sprache.
Psalm als Einzelstück in einem größerem Rahmen: Blick auf das ganze Psalmenbuch
Zwei Positionen der wissenschaftlichen Betrachtung:
1. Schwerpunkt: Betrachtung der einzelnen Psalmen für sich
2. Schwerpunkt: Betrachtung der einzelnen Psalmen im Zusammenhang des ganzen Buches (kanonische Bibellektüre)
ist die Landkarte, wo die Forschung sich bewegt.
Beim zweiten Punkt:
5-Teilung: 5 Abschnitte, abgeschlossen durch Doxologie (Lobpreisung) (3-41; 42-72; 73-89; 90-106; 107-150)
Abbild der 5 Bücher Mose?
Psalm 1 und 2: Einstiegserklärung: Psalm1 auf der Thora und Psalm 2 weist auf den Messias.
Die letzten 4 Psalmen sind Hallel-Psalmen (Halleluja).
Psalmen 57 vergleichen 56-59.: Thematische Verbundenheit mit Stichworten
Überschriften: Psalmüberschriften zeigen Gruppierungen (siehe Ps 57 1.Vers: Psalm wird situiert).
Psalmen stammen wahrscheinlich nicht von David (900 v.Chr., keine langen Schriften überliefert), vermutlich sind sie jünger.
Direkte Korrelierung 1. Sam 22 und Psalm, dass nachträglich Verbindungen gemacht worden sind.
Überschriften: Davidspsalmen (sind vor allem Klagepsalmen)
(Ansatz Erich Zenger:) Früheste Sammlungen im 6. Jahrhundert v. Chr., Abschluss des ganzen Buches im 2.Jh v. Chr. , langer Prozess von 400 Jahren: viele Veränderungen in Israel: Israel als Königstum,Zerstörung Israels, Exil, Rückkehr und Aufbau des Tempels, Israel als Gemeinde)
Lied- und Gebetssammlungen: Sitz im Leben: Zwei Pole: a) das Gesangbuch der Gemeinde b) hauptsächliche geistliche Dichtung für den Hausgebrauch (wahrscheinlichere Position).
Bauplan : Lob, Klage, Bitte, Dank = 4 Grundhaltungen des Betens
Was können Sie mit Gattungen herausfinden: am Beispiel eines Psalmes: Rückseite Psalm 6 (Klagepsalm). sehr gattungstreu.
Psalm 6 beginnt mit Überschrift (Vers 1)
dann Klage, ach HERR (JHWH), Anrufung Gottes, Beschreibung der Not (meine Gebeine sind erschrocken). (im Hebr. ist das Wort gleich für Seele, Leben, Kehle!), anschließend Bitte um Rettung., eine weitere Notschilderung (hier sind irgendwie Feinde um den Beter), jetzt kommt was den Klagepsalm besonders macht: ein Vertrauensbekenntnis, als wenn die Rettung schon passiert sei, das letztlich die Rettung schon passiert ist.
klagende Anrufung des Gottesnamen, mit Schilderung der Not
Bitte um Rettung
Vertrauensbekenntnis oder Dankversprechen, damit Vorwegnahme der erhofften Rettung
Wenn jemand solche Worte wählen kann, ist die Sprachlosigkeit schon überwunden. Dieser Prozess verändert was für den Betenden, den schlimmsten Tiefpunkt der Not wird jetzt durchschritten. Klagepsalmen sollten ganz gelesen werden.
- Die Offenheit der Psalmen
keine konkrete historische Situation geschildert, war aber auch so gedacht
Psalm 57, Vers 4, 5, 7; in Not ist sehr konkret beschrieben, aber historisch diffus. In Psalm 6 sah erst aus Krankheit, kommt aber Bedrohung hinzu. Zeigt Offenheit der Psalmen, das ist Absicht, lässt den Betenden immer wieder eintreten und aktuell werden
Psalm 57 : welche Art von Darstellung ist das?
Beispiele, was auffällt: Imperativ: Der Beter/dieBeterin lässt nicht locker. Fordernd, hartnäckig, fast Gott bedrängend. = Haltung des/der Betenden.
Sprache ist metaphorisch bildhaft, sind typisch vor die Psalmen. Metapher ist was anderes als Vergleich. Metapher ist keine uneigentliche Rede, keine Ersatz des Gemeinten durch das Gesagte, sondern Interaktion von Bild und "Gemeintem". Über die Löwen wird ja auch was ausgesagt.
typischer Vers: Vers 2: auf dich traut meine Seele und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht.
Parallelität der Glieder
"Stereosound" oder "produktive Unschärfe und Plastizität" (Zenger), statt begrifflich-analytischer Präzision (griech. Denken, möglichst präzise zu formulieren).
Hier wird Bedeutung kommuniziert.
- Luther: Wende dich, Herr und errette mich, hilf mir um deiner Güte willen
- Bibel in gerechter Sprache:
Kehre, ha-Makom! Entschnüre meine Kehle. Schaffe mir Raum um Deiner verlässlichen Zuneigung willen
Buber/Rosenzweig: Kehre wieder, Du, entschnüre meine Seele. befreie mich deiner Huld zu willen
- Gute Nachricht Bibel:
Lass ab von deinem Zorn! Rette mich! Hilf mir, du liebst mich doch.
Gute Nachricht Bibel ist zwar verständlich, aber Metaphern werden "platt gemacht". Offenheit geht dadurch verloren.
1. Bildersymbolik: altorientalische Bildsymbolik
- Hinter den Sprachbildern der Psalmen stehen visuelle Bilder aus dem Alten Orient
(Autor: Kehl, Schröhr)
zu Vers 2: Der Vogel, der hinter dem Bild steht, ist ein Geier. Der Vogel beschützt seine Jungen. In einer Welt, in der symbolisch gedacht wird, Geier sind mit Göttern verbunden (schon in Ägypten), (Bild Mat), Geier schützt mit den Flügeln.
(zweites Bild sehr schön: unter dem Schatten seiner Flügel). 3. Bild: Osiris wird geschützt durch Flügel. Bild stammt aus Samaria. Vorstellung gab es also: Geier haben Verbindung zu Göttern. haben alttestamentlichen Texte beeinflusst.
Bilder und Vorstellungen kommen zusammen, Geier und Jungen und Götter schützen Menschen. Attribute weiblich-mütterliche und mütterliche Schutzfunktionen zu einem meist männlich benannten Gott.
Arbeit mit alttestamentlichen Bildern im RU wird vorgeschlagen. Bilder erleichtern die Begegnung, eröffnen Chance in den Bedeutungsraum einzutreten. = aspektivische Darstellung.
2.Ansatz: Ulrike Bail: Psalmen - wer spricht?
intertextuelle Kontextualisierung; Intertextualität = Verknüpfung von Texten. Kontextualisierung = Wahrnehmung des Textes in unterschiedlichen Sprechsituationen.
Bail hat mit Psalm 6 gearbeitet, mit 2. Sam 13 verknüpft. Bringt sie zusammen. Tamar wird vergewaltigt vom eigenen Bruder, darf nichts sagen: Gegen das Schweigen klagen. Wie klingt Psalm 6 als Gebet der jungen Frau. Bail schlägt vor: Klage von Tamar. Bedeutung des Kontextes wird deutlich. Wie klingen die Psalmen aus dem Mund von Menschen in unterschiedlichen Situationen. Schüler können einzelne Psalmtexte mit anderen Bibeltexten zusammen bringen oder einzelne Geschichten überlegen.
Wie Kinder sich emotional ausdrücken, kann geschlechtsspezifisch betrachtet werden, daher auch Genderansatz im Blick haben.
3. Ansatz: Baldermann:"Wer hört mein Weinen"
- selbstständigen Zugang zu biblischen Texten erschließen.
- Wichtig ist, dass ich weiß, wie ich dazu stehe.
- Klarheit mit Kindern darüber gewinnen, warum und in welchen Sinne wir eigentlich von und mit Gott reden.
Psalmen geben Worte und Bilder ab und regen Kinder an, eigene Worte und Bilder zu formulieren.
"Emotionale Erziehung", sprachfähig zu werden für die eigenen Gefühle. Baldermann geht aber darüber hinaus. Es sind Ängste, ihre Einbindung in einer größeren Zusammenhang, sondern sie kommt von einer besonderen Gotteserfahrung her und streckt sich nach einer neuen Gotteserfahrung hin.
Auf Klagen muss als auch neue Hoffnung formulieren, Vertrauen formulieren:
von der Angst reden Ps 6,7 "ich bin müde vom Weinen" vom Vertrauen reden: Ps 6,9, "Gott hört mein Weinen"
- Einzelworte - ganze Texte?;
- direkter Zugang (historische) Distanz
- Reden mit Gott - Reden über Gott
Es muss auch möglich sein, nicht nur über Texte reden, sondern auch über Gott.
Kritik am Ansatz Baldermanns aus dem RPI Loccum
Rückmeldungen
- Bitte geben Sie eine Rückmeldung zum Vortrag in den folgenden Notizzettel
Fragen/Anmerkungen der TeilnehmerInnen
- 1: Wie kann ich das versuchen für den RU nutzbar zu machen. Stark, der letzte Teil, Ansatz Baldermann, am ehesten umsetzbar für Schüler der RS. Gibt es noch weitere Psalmen (Liste), an denen man das noch abarbeiten kann?
- 2: Ebene- Anfrage an die Existenz Gottes sollte angesprochen werden - ist in den Psalmen vorhanden, Jugendliche haben Bedürfnis, dass Gott sich doch mal melden sollte.
- 3:
Antworten:
- 1: Kann Liste zusammenstellen, wird Vorschläge ins Netz stellen. "Wer hört mein Weinen" von Baldermann. Die Psalmwort-Kartei ist auch ein Fundus.
- 2: Ist eine neue Form an Gott zu zweifeln, sozusagen mit Gott an Gott zu zweifeln
- 3
Didaktische Analysefragen
Bitte beantworten Sie kurz die Fragen der Didaktischen Analyse nach Wolfgang Klafki:
Gegenwartsbedeutung
Welche Bedeutung hat der betreffende Inhalt bereits im geistigen Leben der Kinder meiner Klasse, welche Bedeutung sollte er - vom pädagogischen Gesichtspunkt aus gesehen - darin haben?
Zukunftsbedeutung
Worin liegt die Bedeutung des Themas für die Zukunft der Kinder?
Exemplarische Bedeutung
Welchen größeren bzw. allgemeinen Sinn- oder Sachzusammenhang vertritt oder erschließt dieser Inhalt?
Materialien für den Unterricht
Im Öffentlichen Ordner des Seminarraumes für den Lehrertag 2008 finden Sie eine Menge unterschiedlicher Materialien zum Gebrauch, bitte hier Materialien klicken.
- Hier eine Unterrichtsreihe über 7 Stunden, 3te Klasse zur Psalmwortkartei (ist eine Worddatei mit Endung doc).
Eigene Ideen und Vorschläge
Reflexion zum Lehrertag