Leistungsbewertung (Primarstufe)

Aus seminarwiki

In diesem WIKI werden Positionen und Grundlagen der Leistungsbewertung im RU in der Grundschule vorgestellt und diskutiert. Daraus leiten sich religionsdidaktische Grundsätze und Prinzipien ab, die ihrerseits in den methodischen Anregungen aufgegriffen werden.

Alle Religionslehrerinnen und Religionslehrer dürfen mitarbeiten, um eine hilfreiche Seite für das schwierige Feld der Leistungsbewertung im RU gemeinsam (!) zu erstellen. --RainerLemaire 11:53, 4. Mär. 2009 (UTC)


Inhaltsverzeichnis

Rechtfertigung und Leistungsbewertung

Leistungsbewertung im Religionsunterricht befindet sich stets in einem Dilemma: Einerseits ist der Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach an der Schule ein Fach wie jedes andere und somit auch den allegmeinen Grundsätzen und Anforderungen der Leistungsbewertung unterworfen. Andererseits handelt (evangelischer) Religionsunterricht auf seiner Innenseite von der Rechtfertigung.

Rechtfertigung

Rechtfertigung heißt: Wir sind vor Gott ohne Leistung gerecht. Oder noch deutlicher: Wir können nichts tun, dass Gott sich unserer annimmt und erbarmt. Und: Gott nimmt mich so an wie ich bin, aber Gott lässt mich nicht so wie ich bin - die Erfahrung der Rechtfertigung verändert mich. Ein Bild aus der indischen Religionswelt kann bezüglich des Verständnisses von Rechtfertigung eine gute Hilfe geben. So wird zwischen den Gruppen der Katzentheologie und der Affentheologie unterschieden:

Katzen tragen ihr Junges im Maul - dem entspräche das Ganz-passiv-sich-tragen-Lassen des Menschen durch göttliche Gnade, alle Wege der Einübung wären Wege des Passivwerdens; Affenjunge klammern sich an, wenn sie getragen werden - hier wäre der Mensch auch von der göttlichen Gnade getragen gesehen, aber er müsste ein wenig dazu tun, müßte sich für Gott entscheiden, Ihn bitten und die von Gott gebotenen Wege gehen; alle Einübungen wären nötig, um die vorgegebene Gnade wirklich zu ergreifen." (Peter Heidrich, Weg wird Weg im Gehen, Münster 2000, S. 41)

Rechtfertigung als Thema im RU

Das Dilemma der Leistungsbewertung im Religionsunterricht soll im Folgenden nicht "beklagt" oder "verklagt", sondern vielmehr als Chance wahrgenommen werden. Es weist die Religionslehrerinnen und Religionslehrer doch immer darauf hin, dass es bei Gott zugeht wie auf seinem Weinberg: Alle erhalten unabhängig von ihrer Leistung, was sie zum Leben brauchen. Zugleich wissen wir, dass "hier auf Erden" dieser Weinberg nicht unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit entspricht. Mit der Botschaft vom anbrechenden Gottesreich dürfen wir aber auf diesen Weinberg hoffen und ihm "schon mal" Raum geben oder "mitwirken"?! Davon auch im Kontext von Leistungsbewertung zu reden kann dann als besondere Chance des Religionsunterrichts angesehen werden. --RainerLemaire 11:52, 4. Mär. 2009 (UTC)

Positionen

  • Deutscher Katechetenverein

Der Vorstand des Deutschen Katechetenvereins hat 2001 neun Thesen zur Leistungsbewertung veröffentlicht. Diese sind leider nicht mehr auf der Homepage des Dt. Katechetenvereins hinterlegt. Auf der Seite der Diözese Linz lassen sie sich als pdf-Datei lesen und herunterladen: Thesen des Dt. Katechetenvereins

Religionsdidaktische Grundsätze und Prinzipien

Methodische Anregungen

Schüler bewerten selbst ihre Leistungen

Bettina Ramor hat sich im Rahmen ihrer Examensarbeit mit dem Thema Notengebung/ Leistungsbewertung beschäftigt. Dabei legt sie besonderes Augenmerk darauf, wie Schüler selbst ihre Leistungen einschätzen.

Noten im RU in der Grundschule - kein Problem?!

Portfolio als Instrument der Leistungsbewertung

Auf der Internetseite www.portfolio-schule.de findet sich ein aufschlussreicher Artikel, in dem Felix Winter das Arbeiten mit Portfolios im Hinblick auf die Leistungsbewertung darstellt: Artikel zu Portfolio und Leistung

Die besonderen Chance des Portfolios bezüglich der Bewertung von Leistungen betont Kersten Reich in seinem Artikel zum Portfolio im Rahmen seiner umfangreichen Sammlung konstruktivistischer Methoden. Ein Auszug daraus:
Portfolio und Leistung

Modell "Religiöse Kompetenzen" von Rainer Oberthür

Dieses Modell hat Rainer Oberthüer in der Zeitschrift ru 1/2001, S.12 veröffentlicht. Es bietet die Möglichkeit, die Leistungen differenziert zu beschreiben, indem die Gesamtleistung auf neun Kompetenzen aufgeteilt wird. Zugleich bieten die Kompetenzen Hilfen zur Formulierung verbaler Beurteilungen in Leistungsberichten/ Zeugnissen.

  • Fragekompetenz

Das Kind ist bereit und fähig, seine Fragen nach dem Woher, Wozu und Wohin des Lebens und seine Sichtweisen dazu in Wort oder Bild zu äußern.

  • Wahrnehmungskompetenz

Das Kind ist bereit und fähig, sich und die Welt mit allen Sinnen wahrzunehmen und seine Erfahrungen anderen gegenüber zum Ausdruck zu bringen.

  • Gestaltungs- und Urteilskompetenz

Das Kind ist bereit und fähig, sich auf die Texte, Bilder und Musik des RU einzulassen, sie zu deuten und sich auf Grundlage unterrichtlicher Impulse in eigenen Worten und Bildern zu Fragen und Themen des RU zum Ausdruck zu bringen.

  • Kommunikative Kompetenz

Das Kind ist bereit und fähig, sich an den Gesprächen und Symbolhandlungen (Ritualen) des Religionsunterrichts innerlich und mit eigenen Beiträgen zu beteiligen.

  • Bibelbezogene Kompetenz

Das Kind ist bereit und fähig, grundlegende Kenntnisse und Hintergründe über Inhalt und Entstehung einzelner bibl. Texte zu erwerben und sie für sich und andere wertvoll zu machen.

  • Korrelative Kompetenz

Das Kind ist bereit und fähig, biblische Sätze und Geschichten auf eigene Erfahrungen zu beziehen und dadurch die Bibeltexte sowie das eigene Leben neu und anders zu sehen und zu verstehen.

  • Interreligiöse Kompetenz

Das Kind ist bereit und fähig, sich mit den Inhalten und Ausdrucksformen anderer Religionen auseinander zu setzen und Achtung sowie Verständnis gegenüber Menschen mit anderen Lebensdeutungen zu entwickeln.

  • Ethische Kompetenz

Das Kind ist bereit und fähig, Probleme des Menschen und des menschlichen Miteinanders zu erkennen, Einfühlungsvermögen in den anderen zu entwickeln und sich Lösungswege vorzustellen oder sie nachzuvollziehen.

  • Theologische Kompetenz

Das Kind ist bereit und fähig, seine mit Gott zusammengebrachten Vorstellungen und Erfahrungen auszudrücken, sich vertraut zu machen mit den christlich-jüdischen Gottesvorstellungen und -erfahrungen und sie als Anstoß für die eigene (religiöse) Entwicklung zu begreifen.

Wie machen Sie es?

Wie bewerten Sie die Leistungen Ihrer Schüler/innen im RU? Schreiben Sie's uns!

Biblische Impulse/Texte zum Thema Leistung

  • Von an den anvertrauten Geldern, Mt 25,14-30

Mit der Gottesherrschaft verhält es sich folgendermaßen: Ein Mann, der ins Ausland verreisen musste, rief seine Knechte zu sich und übergab jedem von ihnen eine Mine. Und der Herr jener Knechte kam (nach einiger Zeit) zurück und rechnete mit ihnen ab. Und der erste kam und sagte: „Herr, deine Mine hat zehn Minen erbracht.“ – Und dieser (sc der Herr) sagte zu ihm: „Gut, (du bist ein) guter Knecht, über weniges warst du treu, (also) will ich dich über vieles setzen.“ Und der zweite kam und sagte: „Herr, deine Mine hat fünf Minen erbracht.“ – Und der Herr sagt zu ihm: „Gut, (du bist ein) guter Knecht, über weniges warst du treu, (also) will ich dich über vieles setzen.“ Und der dritte kam und sagte: „Herr, siehe hier (hast du) deine Mine, welche ich (in der Erde) vergraben hatte. Ich hatte nämlich Angst vor dir, da du ein harter Mann bist, der erntet, wo er nicht gesät hat, und der sich nimmt, was er nicht angelegt hat.“ – Und der Herr sagte zu ihm: „Ein schlechter Knecht (bist du); wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und dass ich mir nehme, was ich nicht angelegt habe? Dann hättest du mein Geld bei den Bankhaltern anlegen sollen, so hätte ich das Meine bei meiner Rückkehr mit Zinsen wieder erhalten. So nehmt ihm die Mine ab und gebt sie dem, der zehn Minen hat! Denn jedem der hat, dem wird man geben, dem aber der nicht hat, wird man auch das nehmen, was er hat.“ Übersetzung/ Textfassung nach: Weder, Hans: Die Gleichnisse Jesu als Metaphern, Göttingen 1990.

  • Die Parabel von den Arbeitern im Weinberg, Mt 20,1-15(16)

Mit der Gottesherrschaft verhält es sich wie mit einem Hausherrn, der gleich in der Frühe ausging, Arbeiter für seinen Weinberg zu dingen. Er kam mit den Arbeitern überein auf einen Denar pro Tag und schickte sie in den Weinberg. Als er um 9 Uhr (wieder) ausging und andere auf dem Markt ohne Arbeit herumstehen sah, sagte er zu jenen: „Geht auch ihr in den Weinberg, und was recht ist, werde ich euch geben.“ Sie aber gingen hin. Wiederum ging er aus um 12 Uhr und um 15 Uhr und tat ebenso. Als er aber um 17 Uhr ausging, fand er andere herumstehen und sagt zu ihnen: „Was steht ihr hier den ganzen Tag ohne Arbeit?“ Sie sagen zu ihm: „Niemand hat uns gedungen.“ Er sagt zu ihnen: „Geht auch ihr in den Weinberg!“ Als es aber Abend wurde, sagt der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: „Rufe die Arbeiter und zahle den Lohn aus, indem du bei den letzten anfängst bis (hin) zu den ersten.“ Da kamen die um 17 Uhr (Angeworbenen) und erhielten je einen Denar. Und die ersten kamen und nahmen an, dass sie mehr erhalten würden; und auch sie erhielten je einen Denar. Als sie (ihn) aber erhielten, begehrten sie auf gegen den Hausherrn und sagten: „Diese letzten (hier) haben nur eine einzige Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir die Last des (ganzen) Tages und die Hitze ertragen haben.“ Er aber antwortete einem von ihnen und sagte: „Freund, ich tue dir nicht unrecht. Bist du nicht um einen Denar mit mir übereingekommen? Nimm das Deine und geh hin! Ich will aber diesem letzten geben wie auch dir. Darf ich mit dem, was mein ist, nicht tun, was ich will? Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?“ Übersetzung/ Textfassung nach: Weder, Hans: Die Gleichnisse Jesu als Metaphern, Göttingen 1990.

  • Pharisäer und Zöllner, Lk 18,9-14

9 Er sagte aber zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: 10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. 11 Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. 12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. 13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! 14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden. Übersetzung aus der Lutherbibel

Links und Literaturhinweise

Links

  • Leistung im RU
  • Portfolio und Leistung
  • Grundlagen und Kontextbedingungen eines veränderten Bewertungsverständnisses »Mit diesem Beitrag möchte ich versuchen, ein verändertes Bewertungsverständnis in der aktuellen schulpädagogischen Diskussion angemessen zu verorten und einen stabilen methodisch-didaktischen Rahmen für eine praktische Anwendung im Unterricht vorzuschlagen." Aus dem Inhalt: Erweiterter Lernbegriff, pädagogischer Leistungsbegriff, Ziel Handlungskompetenz, neue Formen ...

Literatur

  • Bartnitzky, Horst und Angelika Speck-Hamdan (Hg.): Leistungen der Kinder wahrnehmen – würdigen – fördern, Frankfurt a.M. 2004 (=Beiträge zur Reform der Grundschule Bd. 118).
  • Bartnitzky, Horst: Die pädagogische Leistungskultur – eine Positionsbestimmung. In: In: H. Bartnitzky, A. Speck-Hamdan (Hg.): Leistungen der Kinder wahrnehmen – würdigen – fördern, Frankfurt a.M. 2004, 27-40.
  • Bartnitzky, Jens: Wie Kinder lernen können, ihre Anstrengungen und Erfolge zu würdigen – ein Lerntagebuch. In: H. Bartnitzky, A. Speck-Hamdan (Hg.): Leistungen der Kinder wahrnehmen – würdigen – fördern, Frankfurt a.M. 2004, 100-109.
  • Berg, Horst Klaus: »Mein Freund, der Fehler«. Vorschläge zur Selbstbeobachtung und Selbstbewertung von Schüler/-innen. In: ru 1/2001, 13-16.
  • Berg, Horst Klaus: Zehn Gebote für den Umgang mit Leistung, Leistungskontrolle und Fehlern. In: ru 1/2001, 23.
  • Bizer, Christoph: Leistung – Gnade – Rechtfertigung. In: G. Bittner, R. Englert, G. Müller, K.E. Nipkow (Hg.): Handbuch religionspädagogischer Grundbegriffe, München 2002, 124-127.
  • Bizer, Christoph: Glauben – Lernen – Leisten. Theologisch tastende Annäherungen. In: ru 1/2001, 2-6.
  • Böttcher, Wolfgang/ Ulrich Brosch/ Henricke Schneider-Petri (Hg.): Leistungsbewertung in der Grundschule, Weinheim/ Basel 1999.
  • Hilger, Georg: Welche Wirkung hat der Religionsunterricht? – Leistungsbewertung. In: G. Hilger, S. Leimgruber, H.-G. Ziebertz (Hg.): Religionsdidaktik, München 2001, 260-270.
  • Jendorff, Bernhard: Wegweisungen für die Lernerfolgskontrolle. In: ru 1/2001, 24-26.
  • Kirchenamt der EKD (Hg.): Identität und Verständigung. Standort und Perspektiven des Religionsunterrichts in der Pluralität. Eine Denkschrift. Gütersloh 1994.
  • Kliemann, Peter: Leistungsmessung – Notengebung – Evaluation. In: I. Bosold, P. Kliemann (Hg.): »Ach, Sie unterrichten Religion?« Methoden, Tipps und Trends, Stuttgart und München 2003, 203-206.
  • Kuld, Lothar und Marianne Späth: Leistungen im Projektunterricht. In: ru 1/2001, 20-22.
  • Nipkow, Karl Ernst: Artikel Leistung, Leistungsbewertung. In: LexRP, Band 2, 1999, 1211-1216.
  • Oberthür, Rainer: Wie hältst du’s mit der Leistung? In: ru 1/2001, 10-12.
  • Schöning, Wolfgang: Schulleistung – Leistung der Schule. In: ru 1/2001, 6-9.
  • Tippelt, Rudolf, Bernhardt Schmidt: Was wissen wir über Lernen im Unterricht? In: Pädagogik 3/ 2005, 6-11.
  • Teupke, Andrea: »Das Kind ist unser Maßstab«. In: Publik-Forum 13/ 2005, 21-22.
  • Winter, Franz E. (Hg.): Leistungsmessung in Schulen. Weinheim/ Basel 22002.
  • Winter, Felix: Neue Lernkultur – aber Leistungsbewertung von gestern? In: H. Bartnitzky, A. Speck-Hamdan (Hg.): Leistungen der Kinder wahrnehmen – würdigen – fördern, Frankfurt a.M. 2004, 41-53.