Jünger "zu zweit" (Bibliochat)

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Inhaltsverzeichnis


[Bearbeiten] Reflexion


[Bearbeiten] Kommentar

[Bearbeiten] Zweiundsiebzig

• Bezieht sich eventuell auf die 72 Völker der Welt in Gen 10 EU.Ob die Heidenmission hier tatsächlich schon im Blick ist, ist umstritten (vgl. SCHNEIDER 1977, S. 236).

• Könnte auch eine Anspielung auf die 70 Ältesten von Ex 24,1.9 EU; Num 11,16.24 EU sein, auf die der Herr vom Geist des Mose legt (vgl. SCHÜRMANN 1994, S. 54).

• Die Aussendung der „anderen“ 72 Boten steht neben der Aussendung der Zwölf Apostel (Lk 9,1-6 EU).

[Bearbeiten] Zu Zweit

Die Boten sollen ihre Botschaft mit der „amtlichen“ Gültigkeit eines Zeugnisses ausrufen (jüdisches Zeugenrecht vgl. Dtn 19,15 EU).

Zwei Personen können sich gegenseitig helfen (vgl.Pred 4,10-12 EU).

[Bearbeiten] Ortschaften, in die er selbst gehen wollte

Es wird nirgends mehr von Jesu Gehen auf den Spuren der Zweiundsiebzig gesprochen (vgl. BOVON 1996, S. 50). Die Tätigkeit der Jünger hat ihre eigenständige Verkündigungsfunktion und wird keineswegs als „Wegbereitung“ – wie die des Täufers – geschildert (vgl. SCHÜRMANN 1994, S. 56).

[Bearbeiten] Die Ernte ist groß...

• Die Heidenmission stand ursprünglich nicht im Blick, sondern das Missverhältnis von kurzer Zeit und großer Aufgabe (vgl. SCHMITHALS 1980, S. 121). Die "kurze Zeit" ist ein Motiv der apokalyptischen Naherwartung: Die Äonenwende steht unmittelbar bevor - und mit ihr die Zeit des Heils wie die Zeit von Gericht und Strafe. Die "Ernte" gehört in dieses apokalyptische Motiv-Ensemble. "Ernte" meint sowohl das künftige Heil (Am 9,13 EU; Joel 4,18 EU; Ps 126,5f EU), als auch das kommende Gericht und die damit verbundene Strafe (Jes 17,5f EU; Jes 21,10 EU; Jes 27,11 EU; Jer 13,24 EU; Jer 51,2.33 EU; Hos 6,11 EU; Joel 4,13 EU). Im Neuen Testament wird dieses Bild öfter verwendet (vgl. Mk 4,29 EU; Mt 3,12 EU; Mt 13,30.39f EU; Off 14,14-20 EU).

• Jesus begründet den Boten gegenüber, warum sie an seiner Mission teilhaben sollen, nämlich wegen der Größe der einzubringenden Ernte (vgl. SCHNEIDER 1977, S. 236).

• Die Aufforderung, um Mitarbeiter zu beten, knüpft an die Szenen mit den halbentschlossenen und zaghaften Nachfolgewilligen Lk 9,59-62 EU an (vgl. SCHÜRMANN 1994, S. 58).

• Aller kirchlichen Sendung geht die charismatische Sendung von Gott her voraus. Darum wollen Missionare erbetet sein (vgl. SCHÜRMANN 1994, S. 59).

• Das Bild von der großen Ernte besagt, dass die gnadenhaft anfallende Missionsfrucht – gottgewirkt wie jede Frucht (vgl. Mk 4,26-29 EU) – überreich sein wird (Lk 8,8 EU; Joh 4,35-38 EU).

[Bearbeiten] Wie Schafe mitten unter die Wölfe

• Zur Zeit Jesu war der Wolf weit verbreitet und stellte eine Gefahr für den Viehbestand dar (vgl. BURCKHARD 1996, S. 2421). Gleichzeitig dient der Begriff als Metapher für das negative Verhalten von korrupten Beamten (Hes 22,27 EU; Zef 3,3 EU), für die beängstigende Gewalt feindlicher Völker (Jer 5,6 EU; Hab 1,8 EU) oder für falsche Lehrer und Propheten (Mt 7,15 EU; Apg 20,29 EU). Das Begriffspaar Lamm - Wolf findet sich aber auch als Bild für die Versöhnung der Gegensätze in der zukünftigen Heilszeit (Jes 11,6 EU; Jes 65,25 EU).

• Die Botschaft trifft auf Widerstand.

• Das Logion will nicht zu kluger Vorsicht mahnen (vgl. SCHÜRMANN 1994, S. 62).

• Am Ende – V. 19 – werden die Jünger sich freuen, dass ihnen keine Macht des Feindes – schon gar nicht jene Wölfe – etwas antun können (vgl. SCHÜRMANN 1994, S. 62).

[Bearbeiten] Keinen Geldbeutel...

• Jesus verbietet das Minimum dessen, was Reisende brauchen (vgl. BOVON 1996, S. 51). Ein Verzicht auf Sicherung bedeutet ein Leben im Vertrauen auf die tägliche Fürsorge Gottes. Die Güter der Welt zählen jetzt nicht mehr, denn das nahende Reich Gottes wird alles Notwendige bringen.

• Mit dem Geldbeutel ist den Ausgesandten nicht nur die Sicherung verwehrt; es soll auch kein Geld für die Weiterreise – geschweige denn „Lohn“ – angenommen werden (vgl. SCHÜRMANN 1994, S. 63f.).

• Diese Aufforderung Jesu entspricht der lukanischen Armenfrömmigkeit. Die rigorose Armut hat zeichenhaft-demonstrativen Charakter, ähnlich den prophetischen Zeichenhandlungen des AT (vgl. SCHÜRMANN 1994, S. 64f.).

• Es ist ein urchristlicher Grundsatz, dass der Bote Gottes seinen Lebensunterhalt von den „Kindern des Friedens“ empfängt (siehe auch 1Kor 9,4ff. EU; 1Tim 5,18 EU) (vgl. SCHMITHALS 1980, S. 122).

[Bearbeiten] Grüßt niemand unterwegs

• Die Boten sollen nicht grüßen, um keine Zeit zu verlieren (siehe auch [[Vorlage:2 Kön (Bibel)|2 Kön]] 4,29 EU) (vgl. SCHMITHALS 1980, S. 121). Es geht um ein konzentriertes Anstreben des Ziels.

• Das griechische Wort kann auch ein Besuchsverbot meinen (vgl. SCHÜRMANN 1994, S. 67).

• Das Grußverbot steht im Gegensatz zur Darbietung des Grußes im Haus V 5.

[Bearbeiten] Haus

Die Häuser (und später Hausgemeinden) waren Stützpunkte der Verkündigungstätigkeit (vgl. SCHÜRMANN 1994, S. 55).

[Bearbeiten] Friede diesem Haus

• Der Friedensgruß ist nicht einfach eine Formalität, er ist ein geistliches Machtwort, das Gottes Frieden bringt. Frieden bedeutet Fülle des Lebens und der Beziehungen, dynamisches und konkretes Glück (vgl. BOVON 1996, S. 52).

• Der Gruß war vermutlich mit Inhalt gefüllt: „... indem er ihnen Frieden durch Jesus Christus verkünden ließ“ (Apg 10,36 EU) (vgl. SCHÜRMANN 1994, S. 69).

[Bearbeiten] Bleibt in diesem Haus

Die Missionare sollen im ersten Haus bleiben, denn es zählt die Gastfreundschaft und nicht der Komfort oder der Luxus (vgl. BOVON 1996, S. 53).

[Bearbeiten] Esst und trinkt

Die Jünger sollen wie Tagelöhner, die am Abend nach getaner Arbeit ihre Mahlzeit als verdienten Lohn vorgesetzt bekommen, an der Tischgemeinschaft des Hauses teilnehmen (vgl. SCHÜRMANN 1994, S. 69). Zum materiellen "Gegenwert" der geistlichen Arbeit vgl. auch 1Kor 9,4-14 EU; 1Tim 5,18 EU.

[Bearbeiten] Heilt die Kranken

Die Gabe der Heilung ist ein Zeichen der anbrechenden Gottesherrschaft. Lukas hat das Bild eines Jesus als Arzt gezeichnet.

[Bearbeiten] Staub

Die rituelle Handlung des Staubabschüttelns symbolisiert die absolute Trennung (vgl. SCHÜRMANN 1994, S. 76). Sie bedeutet so viel wie „wir sind quitt“, und somit nur das Ende einer Beziehung und keine Gebärde der Verfluchung (vgl. BOVON 1996, S. 54). Dennoch handelt es sich um eine Geste der Verachtung (vgl. BURCKHARD 1996, S. 603).

Wie Jesus nicht immer aufgenommen wurde (vgl. 9,53 EU), so werden auch seine Jünger abgelehnt.

[Bearbeiten] Dämonen gehorchen

• War den zwölf Aposteln ausdrücklich die Macht über die Dämonen gegeben (9,1 EU), so den 72 nur der Auftrag zur Heilung (V.9). Die freudige Verwunderung, dass ihnen im Namen Jesu auch die Dämonen untertan sind, ist daher angemessen.

• Der Erfolg der Botschafter liegt hier in Exorzismen, nicht in Bekehrungen (vgl. BOVON 1996, S. 56).

[Bearbeiten] Namen

“Im Namen Jesu“ meint in der Vollmacht und Kraft des sich in seinem Namen gegenwärtig gebenden Jesus (vgl. SCHÜRMANN 1994, S. 87).

Die im Namen Jesus vollbrachten Taten beruhen nicht auf einer magischen Wirkung dieses Namens. Vielmehr bezeugen die Jünger, dass sie nicht aus eigener Kraft, sondern im Auftrag ihres Herrn Wunder vollbringen (vgl. BURCKHARD 1996, S. 1593).

[Bearbeiten] Ich sah den Satan...

• Der Blitz gilt als Werkzeug des Gerichtes Gottes (vgl. BURCKHARD 1996, S. 307).

• Dieses Logion ist ein prophetisch-visionärer Ausspruch Jesu. Der apokalyptische Endkampf zwischen Gott und dem Satan ist im Himmel schon entschieden (vgl. SCHMITHALS 1980, S. 124).

• Der Sturz des Tyrannen, zum Beispiel des Königs von Babylon (Jes 14,12 EU), wurde von intertestamentlicher Literatur als der des Satans selbst verstanden (vgl. BOVON 1996, S. 57).

• Der Satansturz geht den Dämonenaustreibungen voraus. Er ist ein einmaliges, plötzliches Geschehen (vgl. SCHÜRMANN 1994, S. 89). Die Ereignisse der Endzeit setzen ein.

• Der Sturz „aus dem Himmel“ bedeutet eine jenseitige Entmachtung, aber keine „Ausstoßung aus der Welt“ (Joh 12,31 EU; Offb 20,10 EU). Dem Satan ist seine nachstellende und versucherische Gefährlichkeit noch nicht genommen (vgl. SCHÜRMANN 1994, S. 90).

[Bearbeiten] Schlangen und Skorpione

• In der Schöpfungsgeschichte wird die Schlange vom Satan benutzt, um den Menschen von Gott zu entfremden. Schlangen wurden auch bildlich für die militärische Macht fremder Völker benutzt (vgl. BURCKHARD 1996, S. 2131).

• Gott hat Israel in der Wüste vor Skorpionen geschützt (Dtn 8,15 EU).

• Die Missionare sind barfuß!

[Bearbeiten] Namen im Himmel verzeichnet

• Buch des Lebens: Phil 4,3 EU; Offb 20,15 EU; Dan 12,1 EU; Ps 69,29 EU.

• Die Aussage, dass die Namen in den Himmel eingeschrieben sind, meint, dass Gott der Menschen gedenkt, was die Kontinuität des Lebens bis in die Ewigkeit hinein sichert (vgl. BOVON 1996, S. 58).

• Das ewige Heil ist wichtiger als außergewöhnliche charismatische Mächtigkeit (vgl. SCHÜRMANN 1994, S. 94).

• Lukas hat zu seiner Zeit Anlass, Charismatiker in Schranken zu weisen (vgl. SCHÜRMANN 1994, S. 94).


[Bearbeiten] Literatur und weiterführende Links

Bovon, Francois (1996): Das Evangelium nach Lukas, EKK, Band III, Teilband 2 (Lk 9,51-14,35), Benziger Verlag Zürich u. Düsseldorf, S. 44-58

Burckhardt, Helmut et al. (Hg) (1996): Das große Bibellexikon, R. Brockhaus Verlag Wuppertal

Schmithals, Walter (1980): Das Evangelium nach Lukas, Zürcher Bibelkommentare, Band III, Teilband 1, Theologischer Verlag Zürich, S.121-125

Schneider, Gerhard (1977): Das Evangelium nach Lukas, Ökumenischer Taschenbuchkommentar zum Neuen Testament, Band III, Teilband 1, Echter-Verlag Würzburg, S. 234-242

Schürmann, Heinz (1994): Das Lukasevangelium, Herders theologischer Kommentar zum Neuen Testament, Band III, Teilband 2 (Lk 9,51-11,54), Herder Verlag Freiburg im Bresgau, S. 52-97



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Theorie zum Bibliochat


Diese Seite wurde zuletzt am 7.10.2008 geändert.