Alternative Berufsfelder für Religionspädagog/innen

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Wer Religionspädagogik auf Lehramt oder Sozialpädagogik studiert, übt nach Abschluss seines Studiums (und ggf. des Referendariats) nicht zwingend den Lehrer- bzw. Diakonberuf aus.

  • Manche Studierende erkennen im Laufe des Studiums (meist in praktischen Phasen in Schule oder Kirche), dass sie falsche Vorstellungen vom Lehrer-/Diakonberuf haben. Dennoch beenden sie ihr Studium ordnungsgemäß, um einen Abschluss „in der Tasche“ zu haben.
  • Andere studieren Religionspädagogik, weil sie später einmal „irgend etwas mit Religion“ machen möchten, aber nicht Pastorin oder Pastor werden wollen.
  • Wieder andere lernen in Praktika andere Berufsfelder kennen, die ungeahnte Perspektiven für das spätere Berufsleben eröffnen.

Für all diese Studierenden stellt sich die Frage: Wo kann ich nach Abschluss meines Studiums arbeiten – wenn nicht in Schule oder Kirche? Im Folgenden sollen einige Berufsfelder für Geisteswissenschaftler im Allgemeinen und Religionspädagog/innen im Besonderen vorgestellt werden. Darüber hinaus soll auf typische religionspädagogische Kompetenzen und Schlüsselkompetenzen ingewiesen werden.


Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Berufsfelder

Arbeiten im Verlag

Arbeiten in der Buchhandlung

Arbeiten beim Evangelischen Kirchenfunk

Arbeiten beim Evangelischen Pressedienst

Arbeiten im Personalmanagement

Arbeiten an einer evangelischen Schule

Arbeiten als Religionspädagog/in in einer kirchlichen oder kirchennahen Einrichtung

Arbeiten bei einer Non-Profit-Organisation

[Bearbeiten] Kompetenzen und Qualifikationen

Nicht nur bei der Bewerbung um eine Anstellung, sondern auch für die erfolgreiche Ausübung eines Berufs spielen die im Laufe des Studiums erworbenen ‘‘Fachkompetenzen’‘, die individuellen ‘‘Schlüsselkompetenzen’‘ sowie die berufsspezifischen ‘‘Zusatzqualifikationen’‘ eine Rolle. Dies sei am Beispiel des Berufs „Religionslehrer/in“ verdeutlicht:

  • Fachliche (hier: religionspädagogische) Kompetenzen’‘ werden während des Studiums erarbeitet: Die Lebenswelt der Schüler/innen kennen und erschließen zu können oder interreligiös gesprächsfähig zu sein sind Beispiele für wichtige Voraussetzungen für die Ausübung dieses Berufs.
  • ’‘Schlüsselkompetenzen ‘‘ bringt man zum Teil „von Haus aus“ mit, z.B. die Freude an der Arbeit mit Kindern, die man nicht erlernen kann, z.T. werden sie im Studium „nebenbei“ oder in gezielten Kursen gefördert, z.B. Fähigkeit zur Teamarbeit mit Kolleg/innen oder rhetorische Kompetenzen.
  • ’‘Zusatzqualifikationen‘‘ werden auch bei der Einstellung an Schulen zunehmend wichtiger. Eine nahe liegende Zusatzqualifikation für angehende Lehrer/innen ist die Lehrbefähigung für ein zusätzliches Unterrichtsfach. Über eine Zusatzausbildung z.B. in Theaterpädagogik zu verfügen oder ein Computernetzwerk administrieren zu können sind Trümpfe, die in der Bewerbung an der eigenverantwortlichen Schule stechen. Die Zusatzqualifikationen „Deutsch als Fremdsprache“ erhöht die Chancen beträchtlich, auf Zeit an eine deutschen Schule im Ausland entsandt zu werden.

Die richtige Kombination von fachlichen Kompetenzen, Schlüsselkompetenzen und spezifischen Zusatzqualifikationen ist auch für das Ergreifen und Ausüben außerschulischer Berufe wichtig. Welches die „richtige“ Kombination ist, hängt nicht nur vom konkreten Berufsbild sondern auch vom spezifischen Anforderungsprofil des Arbeitgebers und nicht zuletzt von der Persönlichkeit des Arbeitnehmers ab.

[Bearbeiten] Religionspädagogische Kompetenz

Die Gemischte Kommission der EKD hat bereits 1997 i ihrer Schrift "Im Dialog über Glauben und Leben" aufgeschlüsselt, was unter religionspädagogischer Kompetenz als Leitziel in der Ausbildung von Religionslehrer/innen zu verstehen sei. Grundlage aller religionspädagogischen Teilkompetenzen ist die didaktische Perspektive: Lehrer/innen müssen fachlich-theologische Inhalte und die Lebenswirklichkeit der Schüler/innen aufeinander beziehen können. Entsprechend ist das Studium einerseits fachlich-theologisch, andererseits pädagogisch ausgerichtet. Diese beiden Perspektiven zu integrieren, ist gleichermaßen Aufgabe der Hochschuldidaktik wie jedes einzelnen Studierenden.

Die folgende Grafik zeigt die zu verschränkenden Anforderungen:

Bild:Religionpaedagogische kompetenz als integratives ziel.gif

Quelle: Renate Hofmann: Lernende LehrerInnenbildung. Eine empirische Studie zum Erwerb religions-pädagogischer Kompetenz, in: Theo-Web 1/2005, S. 70.


In den in der o.g. Schrift der EKD entwickelten Modellen für Studienordnungen für die verschiedenen Schulstufen wird folgendes Ziel des Studiums formuliert:

Das Studium der Evangelischen Theologie/Religionspädagogik soll den Studierenden eine religionspädagogische Kompetenz vermitteln, die ihnen dazu verhilft, ihren späteren Beruf als Religionslehrer/Religionslehrerin didaktisch reflektiert und pädagogisch verantwortlich auszuüben. Im Laufe des Studiums sollen die Studierenden

  • eine theologische und religionspädagogische Reflexions- und Urteilsfähigkeit mit dem Ziel einer didaktisch-hermeneutischen Kompetenz erwerben
  • sich mit anderen konfessionellen, religiösen und philosophisch-weltanschaulichen Lebens- und Denkformen auseinandersetzen, um gesprächs- und kooperationsfähig zu werden
  • ihre eigene Religiosität und spätere Berufsrolle reflektieren lernen, um eine personale Glaubwürdigkeit entwickeln zu können
  • den sicheren Umgang mit wissenschaftlichen Arbeitsweisen mit dem Ziel einer Methodenfähigkeit erlernen.

Vgl.: Im Dialog über Glauben und Leben. Zur Reform des Lehramtsstudiums Evangelische Theologie/Religionspädagogik. Empfehlungen der Gemischten Kommission, Gütersloher Verlagshaus (1997), 47f.


Dieses PDF-Dokument listet die konkreten Teilkompetenzen übersichtlich auf. Die Seitenzahlen beziehen sich auf eine PDF-Version von "Im Dialog über Glauben und Leben", die hier heruntergeladen werden kann.

[Bearbeiten] Schlüsselkompetenzen

[Bearbeiten] Begriff

Der Begriff Schlüsselkompetenzen bezeichnet die Kompetenzen, die als „Schlüssel“ zur Erschließung von sich schnell änderndem Fachwissen dienen können (vgl. Mertens 1974). Im Unterschied zu dem Begriff „Qualifikation“, der die Objektivität einer Fähig- oder Fertigkeit zum Ausdruck bringt, wird unter „Kompetenz“ eine individuelle Eigenschaft einer Person verstanden. Wer über „Schlüsselkompetenzen“ verfügt, vermag Adaptions- und Transferleistungen zu vollbringen, d.h. Fachwissen auf unterschiedliche Problemstellungen anwenden.

Die Bildungskommission NRW (1995) definiert wie folgt: Schlüsselkompetenzen sind „erwerbbare allgemeine Fähigkeiten, Einstellungen und Strategien, die bei der Lösung von Problemen und beim Erwerb neuer Kompetenzen in möglichst vielen Inhaltsbereichen von Nutzen sind.“

[Bearbeiten] Schlüsselkompetenzen von Geistes- und Sozialwissenschaftler/innen

Die Tabelle in diesem PDF-Dokument stellt Schlüsselkompetenzen, über die nach einer Zusammenstellung des Career-Service der Ruhr-Universität Bochum vor allem Geistes- und Sozialwissenschaftler verfügen, Kurzbeschreibungen von Schlüsselkompetenzen „aus der Sicht der Arbeitgeber“ gegenüber, die vom „Projekt Qualifizierungsberatung für kleinere und mittlere Unternehmen in Hessen“ erarbeitet wurden.

[Bearbeiten] Literatur

  • Gemischte Kommission der EKD (Hrsg.): Im Dialog über Glauben und Leben. Zur Reform des Lehramtsstudiums Evangelische Theologie/Religionspädagogik. Empfehlungen der Gemischten Kommission, Gütersloher Verlagshaus (1997)
  • Mertens, Dieter: Schlüsselqualifikationen, in: Mitteilungen der Arbeitsmarkt- und Berufs-forschung, 7. Jg. 1974, S. 36–43.
  • http://proqua.tbs-hessen.org/aktuelles/aktuelles_schluesselquali.html = Projekt Qualifizierungsberatung für kleinere und mittlere Unternehmen in Hessen
  • http://www.ruhr-uni-bochum.de/zsb/berufsfelder.htm = Ludger Lampen, Dipl.-Psych., Zentrale Studienberatung der Ruhr-Universität Bochum: Berufsfelder & Berufliche Qualifikationen von Geistes- und Sozialwissenschaftlern (Stand: 10.9.2007)