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2008Fachtagung:OUL Interreligioes

Aus seminarwiki

Teilnehmer Vorstellungsrunde

Manfred Spieß aus Bremen weist darauf hin, dass dort nach alter bremischer Tradition Religion (im Wortlaut heißt es:"Biblische Geschichte") gemeinsam für alle in einer Klasse unterrichtet wird. Das Fach sei bekenntnismäßig nicht gebunden.

Silvia Agde-Becke unterrichtet an einer Schule in Frankfurt, die bei dem Projekt „Interreligiöses Lernen“ über die Quandt-Stiftung einen Preis gewonnen hat. Dabei wurde in verschiedenen Fächern das Thema bearbeitet. Der Dialog zwischen den Religionen fand auch in einer Projektwoche statt.

Martin Leonhardt arbeitet an einer anderen Schule ebenfalls in Frankfurt am Main, die sich auch bei dem Projekt der Quandt-Stiftung beteiligt.

Mara Sommerhoff (Hamburg): Dort werde echter interreligiöser Unterricht gegeben nach dem „Hamburger Weg“. Der „RU für alle in ev. Verantwortung“ wird in gemeinsamer Erarbeitung der Inhalte nach Proporz der vorkommenden Religionen festgelegt. Die Katholiken haben an vier Hamburger Schulen konfessionellen Unterricht gestartet. Veröffentlichungen dazu siehe Folkert Doedens.

Ingrid Gnau, Kassel: An der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule wird Ethikunterricht verpflichtend von Kl. 5 - 13 neben dem konf. RU erteilt. Religionpädagogin, z. Zt. überwiegend im Ethik-Unterricht eingesetzt.

Dr. Reinhard Kirste ist (ehem.) Lehrerfortbildner, Interreligiöse Arbeitsstelle, Lehrauftrag Religionswissenschaften an der TU Dortmund. In Leverkusen gibt es drei Schulen der Europa-Union, bei denen interreligiöses Lernen als Projekt stattfindet. „Weiß du, wer ich bin“ war ein gemeinsames Projekt mit der EKD, 150 ähnliche Projekte sind gemeinsam gelaufen.

Rainer Lemaire: Schulreferat Köln, arbeitet in Lehrerfort- und -weiterbildung, Christl.-jüdisches Gespräch, Autor der Neuausgabe von „Oikumene“ (verstanden im weltumfassenden Sinn) ursprüngl. Autor auch D. Steinwedel. Hinweis auf Rabeya Müller, Koran für Kinder und Erwachsene (C.H. Beck)

Elke Rosch aus der Uckermark, nahe zur Oder-Grenze. Es gibt dort nur LER als Unterricht, aber keinerlei Angebote für die Oberstufe, auch selten Angebote für politische Bildung. Hinweis auf den Verein RAA Brandenburg (Regionale Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule), die sich der Demokratieerziehung, Toleranzerziehung, und interkulturelle Bildung widmet. In der Schule gibt es sehr homogene Gruppen, Grundhaltung der Schüler/innen wie des Kollegiums „Wir haben es hinter uns“ (Rosenstock). Gemeint war die Religion, das Christentum.

Andreas Ziemer aus Sachsen-Anhalt. Seine Kollegen nehmen eher die Haltung ein, „wir haben es vor uns“. Erwähnung einer eindrucksvollen Tagung in Serbien mit Priestern und Mönchen, die eine besondere Form der Religiosität deutlich machte.

Dr. Matthias Hahn vom PTI für Thüringen und Anhalt (Drübeck), Mitautor an Ethik-Schulbüchern, LER-Schulbüchern, verantwortlich für Islam-Kapitel, die aber mit einem gewissen „Zoo-Effekt“ versehen sind. (im Sinne von: der Islam wird bestaunt wie ein fremdes Tier.) Moderator

Uwe Kunz, Schulpfarrer an einer Frankfurter Berufsschule, unterrichtet Religion im Klassenverband. Es gibt dort viele Muslime, Hindus, die Evangelischen seien kaum erkennbar. Probleme kommen im Unterricht von Leuten, die aus dem Osten kommen, die ihn als Pfarrer nicht akzeptieren wollen.

Nach der Vorstellungsrunde eröffnete Koll. Hahn die Gesprächsrunde mit der Frage nach der Bedeutung des Online unterstützten Lernens für das interreligiöse Arbeiten. Dieses Protokoll versucht die einzelnen Positionen in knapper Zusammenfassung wiederzugeben.

Gesprächsverlauf

S. Agde-Becke stellt fest, dass 50 % der Schüler/innen Migrationshintergrund und deshalb ein Sprachkompetenzproblem hätten. Diese Gruppe erfahre eine Stärkung durch Online gestütztes Lernen. Hinweis auf den Einsatz des Kurzfilms von G. Wilders, der einen Bezug zum 11.September herstellt, und unter dem Titel Fitna bei Youtube veröffentlicht wurde. Er enthält Koranverse mit krassen Gewaltaufnahmen kombiniert, war unter Srn. im Umlauf und wurde im Unterricht thematisiert.

I. Gnau bedauert, dass es in Bezug auf Rechner an der Schule ein Ausstattungsproblem gebe, die Voraussetzungen für einen derartigen Unterricht seien häufig schlecht. Aktuelle Gruppengröße: 34 Srn. in Kl. 8 aus fünf verschiedenen Klassen. Mit einer so großen Gruppe könne man nicht den Rechnerraum nutzen.

M.Spieß erwähnt ein Beispiel kleinschrittigen Arbeitens, jeder Raum hatte mindestens einen Rechner mit Internetanschluss. Hinweis auf eine Seite mit dem „Vater unser“ in vielen Sprachen. Dieses habe zur Identitätsfindung bei den Srn. beitragen können. Jeder konnte in seiner Sprache das Vater Unser ausdrucken und den anderen vortragen.

Hinweis auf das Tool der Themenmappe aus rpi. Es enthalte Wichtiges aus der Religion des Islam und sei für Quellenarbeit geeignet. Christliche Kinder könnten die eigene Gemeinde aufsuchen, um der Heimatlosigkeit zu entgegnen. Gegenseitiges Vortragen und das Sich-Informieren ermögliche, zur Kommunikation miteinander zu gelangen.

Dr. R. Kirste äußert, das Einrichten des Seminarraums sei eine Hürde beim Einstieg in die Arbeit mit dem Tool. Er habe bei einem Projekt mit dem Thema „Wahrheit und Erlösung“ den Film Matrix eingesetzt. Ständig sei ein Beamer erforderlich um zu präsentieren. Die technischen Möglichkeiten seien weiterhin zu schlecht. R. Lemaire weist darauf hin, dass Begegnung einen eigenen Wert habe. Er stellte die Frage nach Beispielen, wo Begegnung stattgefunden hätten.

Dr. M. Hahn erwähnt Seiten der muslimischen Jugend in Österreich, auf denen z. B. zu finden war: „Nutze deine Sommerferien sinnvoll!“ Diese seien ein guter Anlass für christliche Jugendliche sich mit dem Islam zu beschäftigen, um dann zu Begegnungen zu kommen.

M. Leonhardt berichtet, seine Schule nutze die Software „Religiopolis“ mit einer Schullizenz. Es gehe dabei um eine virtuelle Stadt mit verschieden religiösen Bewohnern, die man aufsuchen könne. Hrsg. vom RPI Braunschweig, bei Klett erschienen. Er empfehle die Lektüre des "Verrisses" durch A. Mertin bei rpi.

Dr. R. Kirste hat bei dieser Software in der pädagogischen Beratung mitgearbeitet. Am schlimmsten komme das Christentum darin weg. Spielerische Elemente versuchten, einen ersten Zugang zu den Religionen zu ermöglichen. Es gebe eine umfangreiche Bibliothek mit vielen Texten sowie einen Fahrstuhl zu den Ereignissen. Die Künstlichkeit der Biografien sei unangenehm, könne aber den Zugang erleichtern. Auf Rückfrage: die Software ist leider nicht hybrid angelegt, sondern einseitig für Windows-Plattformen eingerichtet.

A. Ziemer macht den Vorschlag einen Seminarraum zu schaffen, der eine Online-Begegnung ermögliche. Gefragt wird, wie das moderiert werden müsste. Wie realistisch könne eine solche Begegnung sein??

M Sommerhoff antwortet, in der echten Begegnung potenzierten sich die Probleme schon sowieso. Je nach Alter der Schüler sei das aber unterschiedlich.

Dr. R. Kirste meint, es gebe Kriterien für eine authentische Begegnung. Es stelle sich die Frage, ob man die „richtige“ Moschee oder Synagoge kenne. Orthodoxe Juden schränkten gewisse Begegnungen ein. Hamburg habe eine günstige Ausgangssituation. Fast ohne Vorbereitung seien manchmal größere Effekte möglich. Hinweis auf die Seite Kindernetz.

I. Gnau äußert, Arbeitsaufträge blieben solange unklar, wie unklar sei, wohin sich eine solche Online-Begegnung entwickele. Es sei keine unmittelbare Reaktion der Jugendlichen untereinander möglich. Auseinandersetzungen im Forum könnten nur zeitversetzt stattfinden.

R. Kunz stellt die Frage, welche Kommunikation wir eigentlich anstrebten. Es sei offen, wie wir und wie die anderen behandelt werden wollten. Es gebe die Möglichkeit, vorweg ein Bild von sich selbst zu schicken, dann ein Bild vom anderen einzustellen. Für den Unterrichtenden bleibe unklar, wo und wann er korrigierend eingreife.

R. Lemaire betont, Spielregeln müssten vorab geklärt, Paare gebildet werden. Dadurch könne ein Kennenlernen des anderen (der auf der anderen Seite des Rechners sei) stattfinden, dem ein Vorstellen des anderen vor der Gesamtgruppe folgen könne. Vorher müsse überlegt werden, was man dem anderen für Fragen stelle.

M. Leonhardt weist auf e-Twinning hin, das digitale Partnerschaften im sprachlichen Unterrichtszusammenhang ermögliche. Im religionspädagogischen Zusammenhang sei ähnliches denkbar.

M. Spieß erwähnt, Walter Vogel aus Österreich habe vor ca. acht Jahren ähnliches bereits praktiziert. Darüber müsste eine Dissertation vorliegen. Das sei immerhin bereits zur Zeit von Web 1.0 gelaufen.

Dr. R. Kirste regt an, Schulwebseiten daraufhin abzuklopfen, inwieweit es möglich sei, Schulen und/oder Klassen miteinander in Verbindung bringen. Die Quandt-Stiftung habe Schulen dahingehend ausgezeichnet. Hilfreich wäre zu wissen, welche Schulen existierten, mit denen man leicht Kontakt aufnehmen könnte. Ein Anknüpfungspunkt für Schulklassen für interreligiöses Arbeiten sei die Weltethos-Ausstellung von Küng, die gerade in Dortmund laufe, über 40 Schulen seien bereits hingegangen.

Dr. M. Hahn fragt nach kritischen Anmerkungen und wünschenswerten Entwicklungen.

Elke Rosch greift das Beispiel aus einer deutsch-polnische Begegnung auf, für die im Vorfeld ein Videoportät erstellt worden sei. Dieses sei hilfreich, Kontakte anzubahnen.

M. Spieß weist auf das erste muslimische Lehrbuch mit dem Titel Saphir 5/6 hin, das im Kösel-Verlag erschienen sei und 14.95 € koste. Die Kollegen Kirste und Spieß hätten beide bereits Besprechungen vorgelegt.

U. Kunz fragt kritisch, ob man überhaupt einen definierten Standpunkt haben müsse. Wir hätten schließlich auch keinen Papst.

Agde-Becke schränkt ein, dass man Schüler nur angeleitet ins Netz lassen könne. Es mache keinen Sinn, sie einfach irgendwas suchen zu lassen, um zu präsentieren.

R. Lemaire nimmt die Position auf und betont, eine Vorfilterung sei nützlich. Ein wichtiger Lernerfolg sei festzustellen, dass es im religiösen Bereich eine unglaublich Vielfalt gebe. Toleranz sei das Ziel.

M. Leonhardt ergänzt, Schüler im Netz „frei laufen zu lassen“ erfordere, ein Medium zu finden, wo man das dokumentiere, was gefunden wird. Hier sei der Anknüpfungspunkt für Online gestütztes Lernen.

R. Lemaire setzt das Schlusswort mit der Aussage, nicht normativ an die interreligiöse Arbeit heranzugehen sei aber auch nicht sinnvoll.